Notvorrat anlegen: Was das BBK empfiehlt – und warum JETZT der richtige Zeitpunkt ist

6 Tage ohne Strom. Mitten in Berlin. Mitten im Winter.

Am 3. Januar 2026 brannten Unbekannte eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde nieder. Fünf Hochspannungskabel fielen aus. Was folgte, war der längste Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg.

45.000 Haushalte. 2.200 Gewerbebetriebe. Sechs Tage ohne Strom, ohne Heizung, ohne Internet – bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Mobilfunkmasten fielen reihenweise aus. Geldautomaten funktionierten nicht. Supermärkte schlossen. Pflegeeinrichtungen brauchten Notstromaggregate der Bundeswehr. Die Polizei warnte: Wer kann, soll bei Freunden oder Verwandten unterkommen. Die Stadt richtete eine Notunterkunft mit 200 Feldbetten ein.

Und die meisten Betroffenen? Hatten keinen Vorrat. Keine Taschenlampe mit vollen Batterien. Kein batteriebetriebenes Radio. Kein Bargeld.

Sechs Tage. Das ist keine abstrakte Zahl. Das sind sechs Nächte in einer kalten, dunklen Wohnung mit Kindern, die fragen, wann das Licht wieder angeht.


Was das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – kurz BBK – ist die oberste deutsche Behörde für Katastrophenschutz. Es berät die Bundesregierung, koordiniert den Zivilschutz und gibt Empfehlungen für die persönliche Notfallvorsorge heraus.

Die zentrale Empfehlung des BBK ist eindeutig: Jeder Haushalt in Deutschland sollte sich für mindestens zehn Tage eigenständig versorgen können.

Zehn Tage. Nicht drei. Nicht fünf. Zehn.

In der Neuauflage des Ratgebers „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" hat das BBK diese Empfehlung noch einmal bekräftigt und erstmals auch neue Themen aufgenommen, die zuvor nicht vorkamen: Desinformation erkennen, Schutzorte finden, mentale Gesundheit in Krisensituationen – und erstmals explizit auch das Szenario Krieg.

Der Hintergrund: Im Kontext des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben sich viele Menschen mit Sorgen und Fragen an das BBK gewandt. Erhebungen zeigten, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich mehr Informationen und Vorbereitungsempfehlungen wünscht. Das BBK hat darauf reagiert.

Der Ratgeber ist kostenlos als PDF verfügbar unter bbk.bund.de.


Die Realität: 90 % sind nicht vorbereitet

Trotz der klaren Empfehlung zeigt der Vorsorge-Index Deutschland ein erschreckendes Bild:

Rund 90 % der deutschen Haushalte sind nicht ausreichend auf eine Krise vorbereitet. 18 % haben keinen einzigen Liter Trinkwasser als Reserve im Haus. 29 % haben eine kritische Vorsorgelücke, die im Ernstfall innerhalb von 24 bis 48 Stunden zum Problem wird.

Die Gründe sind fast immer dieselben:

„Es wird schon nichts passieren." – Berlin im Januar 2026 hat gezeigt, dass es jederzeit passieren kann. Nicht in einem Kriegsgebiet. Nicht in einem Entwicklungsland. Mitten in der deutschen Hauptstadt.

„Im Notfall gehe ich einfach einkaufen." – Bei einem Blackout sind Supermärkte geschlossen. Elektronische Kassen funktionieren nicht. Kühlketten brechen zusammen. Und selbst wenn ein Laden offen wäre: Kartenzahlung geht nicht und Bargeld hat fast niemand mehr in ausreichender Menge.

„Die Behörden kümmern sich." – In Berlin hat es sechs Tage gedauert, bis alle Haushalte wieder Strom hatten. Die Bundeswehr musste mobile Notstromaggregate bringen. Die Feuerwehr konnte nicht jeden versorgen. Bei einer großflächigen Katastrophe – Hochwasser, Sturm, Cyberangriff auf das Stromnetz – dauert es noch länger.


Was du für zehn Tage brauchst – die BBK-Grundversorgung

Das BBK rechnet mit einem Energiebedarf von ca. 2.200 Kilokalorien pro Erwachsenem und Tag. Hier die offizielle Empfehlung für eine Person, zehn Tage:

Wasser: 20 Liter Trinkwasser (2 Liter pro Tag). Davon 5 Liter für die Zubereitung von Mahlzeiten. In versiegelten Flaschen kaufen und kühl und dunkel lagern.

Getreideprodukte: 3,5 kg – Nudeln, Reis, Brot, Kartoffeln. Trockenware hält am längsten.

Gemüse und Hülsenfrüchte: 4 kg – Konserven und Gläser sind bereits gekocht und brauchen kein zusätzliches Wasser.

Obst und Nüsse: 2,5 kg – Obstkonserven, Trockenfrüchte, Nüsse. Frisches Obst nur lagerfähige Sorten (Äpfel).

Milchprodukte: 2,6 kg – H-Milch, Hartkäse, Trockenmilchpulver.

Fleisch, Fisch, Eier: 1,5 kg – Dosenfleisch, Thunfisch-Konserven, hartgekochte Eier (begrenzt haltbar).

Fette: 0,35 kg – Speiseöl, Butterschmalz.

Sonstiges: Zucker, Salz, Honig, Gewürze, Mehl, Instantbrühe.

Das klingt nach viel – ist aber weniger als zwei volle Einkaufstüten. Die Kosten liegen laut Berechnungen bei ca. 60 bis 100 Euro pro Person, wenn man auf normale Supermarktprodukte setzt.


Über die Lebensmittel hinaus: Was die meisten vergessen

Essen und Trinken sind die Grundlage. Aber bei einem echten Notfall brauchst du mehr:

Licht ohne Strom. Eine wiederaufladbare LED-Taschenlampe. Besser noch: eine Stirnlampe, die beide Hände freihält. Und Ersatzbatterien oder ein kleines Solarpanel zum Laden.

Informationen ohne Internet. Ein Kurbelradio empfängt Durchsagen der Behörden auch dann, wenn Mobilfunk und Internet ausgefallen sind. Das BBK empfiehlt ausdrücklich ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio.

Wärme ohne Heizung. Bei einem Blackout im Winter fällt die Raumtemperatur innerhalb von 24 Stunden auf unter 10 °C. Ein warmer Schlafsack oder eine Expeditionsdecke kann den Unterschied machen – die dünne Wolldecke auf dem Sofa reicht nicht.

Kochen ohne Strom. Ein einfacher Campingkocher mit Gaskartuschen ermöglicht warme Mahlzeiten und – ganz wichtig – abgekochtes Wasser, falls die Trinkwasserversorgung betroffen ist.

Bargeld. 500 Euro in kleinen Scheinen (5er, 10er, 20er) griffbereit im Haus. Nicht auf dem Konto. Nicht auf der Kreditkarte. Im Umschlag, an einem festen Platz.

Medikamente. Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst: Halte immer einen Vorrat für mindestens 14 Tage. Apotheken können bei einer Krise schließen oder Lieferengpässe haben.

Dokumente. Personalausweis, Geburtsurkunde, Versicherungspolicen, Impfpass – in einer wasserdichten Mappe, griffbereit. Bei Hochwasser oder Feuer hast du keine Zeit, danach zu suchen.


Vorsorge ist keine Panik. Es ist eine Versicherung.

Es gibt einen Grund, warum das Wort „Vorsorge" das gleiche Wort ist, das wir für Rentenvorsorge, Gesundheitsvorsorge und Altersvorsorge verwenden: Es bedeutet, heute etwas zu tun, damit morgen kein Problem wird.

Niemand wird nervös, wenn jemand eine Hausratversicherung abschließt. Niemand hält es für verrückt, einen Feuerlöscher in der Küche zu haben. Und niemand fragt, warum man Winterreifen aufzieht, obwohl es im Oktober noch 15 Grad sind.

Krisenvorsorge ist genau das Gleiche. Du hoffst, dass du sie nie brauchst. Aber wenn du sie brauchst, bist du froh, dass du sie hast.


So fängst du an – in drei Schritten

Schritt 1: Wasser. Kauf heute 20 Liter Wasser pro Person in deinem Haushalt. Stilles Wasser in PET-Flaschen. Hält mindestens ein Jahr. Kostet ca. 5 Euro pro Person. Stell es in den Keller oder die Abstellkammer. Fertig. Damit hast du mehr Vorsorge betrieben als 18 % aller deutschen Haushalte.

Schritt 2: Grundvorrat. Beim nächsten regulären Einkauf legst du einfach ein paar Dinge extra in den Wagen: eine Packung Nudeln, eine Dose Ravioli, zwei Dosen Gemüse, eine Packung Haferflocken, ein Glas Honig. Wiederhole das drei Wochen lang – und du hast einen soliden Grundvorrat für mindestens drei Tage.

Schritt 3: Ausrüstung. Taschenlampe prüfen – funktioniert sie? Batterien voll? Hast du ein Radio, das ohne Steckdose läuft? Hast du Bargeld im Haus? Diese drei Dinge kosten zusammen unter 50 Euro und machen den Unterschied zwischen „es ist unangenehm" und „es ist ein echtes Problem".

Das BBK sagt: Drei Tage sind besser als nichts. Darauf kannst du schrittweise aufbauen. Du musst nicht alles auf einmal kaufen. Du musst keinen Bunker bauen. Du musst nur anfangen.


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Quellen und weiterführende Links

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" – kostenlos als PDF unter bbk.bund.de
  • Vorratskalkulator des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: ernaehrungsvorsorge.de
  • Bundesakademie für Sicherheitspolitik: Analyse zum Berliner Blackout 2026 unter baks.bund.de
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