Notvorrat anlegen: Was das BBK empfiehlt – und warum JETZT der richtige Zeitpunkt ist

Über 100 Stunden ohne Strom. Mitten in Berlin. Mitten im Winter.

Am 3. Januar 2026 brannte eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde. Mehrere Hochspannungskabel fielen aus. Was folgte, war der längste Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg.

Betroffen waren rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden in vier Stadtteilen. Der Netzbetreiber brauchte über 100 Stunden, um die Versorgung wiederherzustellen; erst am 7. Januar waren alle Kunden wieder am Netz. Bei Frost, mit ausgefallenen Fernwärmepumpen und damit ohne Heizung. (Quelle: Stromnetz Berlin)

Vier Tage sind keine abstrakte Zahl. Das sind vier Nächte in einer kalten, dunklen Wohnung mit Kindern, die fragen, wann das Licht wieder angeht.

Was das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK, ist die zuständige Bundesbehörde für den Zivilschutz. Seine zentrale Empfehlung ist eindeutig: Jeder Haushalt sollte sich mindestens zehn Tage eigenständig versorgen können.

Zehn Tage. Nicht drei. Nicht fünf.

In der Neuauflage des Ratgebers »Vorsorgen für Krisen und Katastrophen« hat das BBK diese Empfehlung bestätigt und Themen ergänzt, die früher nicht vorkamen: Desinformation erkennen, Schutzorte finden, mentale Gesundheit in Krisenlagen – und erstmals ausdrücklich das Szenario Krieg. Der Ratgeber ist kostenlos als PDF unter bbk.bund.de verfügbar.

Die drei häufigsten Ausreden

»Es wird schon nichts passieren.« Berlin im Januar 2026 hat gezeigt, dass es jederzeit passieren kann. Nicht in einem Kriegsgebiet, nicht in einem fernen Land – in der deutschen Hauptstadt.

»Im Notfall gehe ich einkaufen.« Bei einem Stromausfall bleiben Supermärkte geschlossen, weil Kassen und Kühlung nicht laufen. Selbst wenn ein Laden öffnet: Kartenzahlung funktioniert nicht, und Bargeld hat kaum noch jemand in ausreichender Menge zu Hause.

»Die Behörden kümmern sich.« In Berlin dauerte es über vier Tage, bis alle Haushalte wieder Strom hatten – in einer Großstadt mit maximaler Einsatzdichte. Bei einer flächigen Lage dauert es länger, nicht kürzer.

Was du für zehn Tage brauchst

Das BBK nennt für eine erwachsene Person und zehn Tage folgende Richtwerte:

Kategorie Menge für 10 Tage
Wasser 20 Liter, davon rund 5 Liter für die Zubereitung
Getreideprodukte, Kartoffeln rund 3,5 kg
Gemüse und Hülsenfrüchte rund 4 kg
Obst und Nüsse rund 2,5 kg
Milchprodukte rund 2,6 kg
Fleisch, Fisch, Eier rund 1,5 kg
Fette und Öle rund 0,35 kg

Richtwerte nach BBK. Dazu Zucker, Salz, Mehl, Gewürze und Brühe.

Das klingt nach viel, ist aber weniger als zwei volle Einkaufstüten. Mit normaler Supermarktware lässt sich das günstig aufbauen – der Nachteil: Es muss regelmäßig getauscht werden. Langzeitnahrung kostet mehr und liegt dafür jahrelang unberührt im Regal.

Der Vergleich der Linien steht im Ratgeber Langzeitnahrung im Vergleich.

Über Lebensmittel hinaus: was die meisten vergessen

Wasser bevorraten und aufbereiten. 20 Liter je Person klingen nach wenig, bis man sie tragen muss.

Licht ohne Strom. Eine Stirnlampe lässt beide Hände frei – der Unterschied zeigt sich beim ersten Versuch, im Dunkeln etwas zu reparieren.

Information ohne Internet. Das BBK empfiehlt ausdrücklich ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio.

Wärme ohne Heizung. Eine dünne Wolldecke vom Sofa reicht nicht, wenn die Raumtemperatur über Tage fällt.

Kochen ohne Strom. Ermöglicht warme Mahlzeiten und, falls nötig, abgekochtes Wasser.

Bargeld in kleinen Scheinen an einem festen Platz. Medikamente für mindestens zwei Wochen, wenn du dauerhaft welche brauchst. Dokumente wasserdicht und griffbereit – bei Hochwasser oder Feuer bleibt keine Zeit zum Suchen.

Vorsorge ist keine Panik, sondern eine Versicherung

Es hat einen Grund, dass wir dasselbe Wort für Altersvorsorge und Gesundheitsvorsorge verwenden: heute etwas tun, damit morgen kein Problem daraus wird.

Niemand wird nervös, wenn jemand eine Hausratversicherung abschließt. Niemand hält einen Feuerlöscher in der Küche für übertrieben. Und niemand fragt, warum im Oktober Winterreifen aufgezogen werden, obwohl es noch 15 Grad hat.

Krisenvorsorge ist dasselbe. Du hoffst, sie nie zu brauchen. Und wenn doch, bist du froh, dass sie da ist.

So fängst du an – drei Schritte für dieses Wochenende

Erstens: Wasser. Kauf 20 Liter je Person im Haushalt. Stilles Wasser in Flaschen, in den Keller stellen, fertig. Das ist kein eleganter Vorrat, aber er ist heute Abend da.

Zweitens: Vorrat aufbauen. Leg beim nächsten regulären Einkauf ein paar Dinge extra dazu: eine Packung Nudeln, zwei Dosen Gemüse, Haferflocken, ein Glas Honig. Drei Wochen lang wiederholen – und der Grundstock steht.

Drittens: Ausrüstung prüfen. Funktioniert die Taschenlampe? Hast du ein Radio, das ohne Steckdose läuft? Ist Bargeld im Haus? Diese drei Punkte entscheiden darüber, ob eine Lage unangenehm wird oder ernst.

Der vollständige Plan in sieben Schritten: Krisenvorsorge für Einsteiger.

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Quellen

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: »Vorsorgen für Krisen und Katastrophen«, kostenlos unter bbk.bund.de
  • Vorratskalkulator des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: ernaehrungsvorsorge.de
  • Stromnetz Berlin, Angaben zum Stromausfall im Berliner Südwesten, Januar 2026